Unsere Medientipps: Für Sie gelesen, gehört, geschaut...

Massimo Righi, Davide Terziotti, Fabio Petroni, Rimo Duca: Whisky. Geschichte und Kultur des Single Malt

Es ist kein Widerspruch zum Inhalt, dass dieser Band ein Augenschmaus ist: Die Fotografien von Fabio Petroni sind sehr geschmackvoll arrangiert und erfreuen nicht nur Whisky-LieberhaberInnen.

Wie es der Untertitel schon besagt, beschränkt sich das vorliegende Werk auf Single Malt Whisky, also auf diejenigen Sorten, welche "ausschliesslich von einer einzelnen Brennerei mit gemälzter Gerte produziert" werden. Die beiden Autoren tragen der wachsenden Beliebtheit des Whiskys Rechnung, indem sie auch auf die Art der Verköstigung, der Vermarktung mittels ansprechender Etiketten und Flaschen und die Produktion eingehen. Der Hauptteil kann als Nachschlagewerk verstanden werden, das den grossen, vorrangig schottischen Single Malts die Ehre erweist. Die Autoren zollen aber auch anderen Marken Respekt, wie sie in Japan, Taiwan, Inden oder Schweden hergestellt werden. Auf den letzten vierzig Seiten bringt sich der sizilianische Spitzenkoch Rino Duca ins Spiel. Seine kulinarischen Kreationen bestehen aus nur wenigen Zutaten, wovon natürlich eine immer ein Sigle Malt ist. Die schlichten Rezepte und verlockendnen Bilder motivieren zum Nachmachen. Es sei hiermit allen gutes Gelingen gewünscht, die es versuchen. [Andrea Grichting]

Monica Langwe: Bücher binden. 25 Buchobjekte aus Papier und Faden

Das vorliegende Werk kommt in einem schlichten, modernen Layout daher und manifestiert, dass die Kunst des Buchbindens alles andere als altmodisch und verstaubt ist. Die aus Schweden stammende Autorin Monica Langwe schöpft bei ihren Arbeiten aus dem Vollen, hat sie doch Kunst studiert und das Wissen rund ums Buchbinden in verschiedenen Weiterbildungen gefestigt.

Auf rund 100 Seiten zeigt sie Objekte, bei denen man durchaus Fingerfertigkeit und das eine oder andere Werkzeug benötigt, das man sich vielleicht erst noch besorgen muss. Dafür hat man dann an seinem eigenen Ledereinband mit origineller Fadenbingung wohl ein Leben lang seine Freude oder benutzt die ein- und mehrlagigen Hefte mit umso lieber. Dass es aber auch ohne grosse Erfahrungen und vielleicht sogar kinderleicht geht, zeigt Langwe anhand der losen Buchumschläge (wie wir es noch aus der Schule kennen), der hübschen Samentütchen, der Sternspulen für das Garn oder der zahllosen grösseren oder kleineren Schachteln.

Ein vierseitiges Glossar mit deutschen und englischen Begriffen (damit man sich in der englischen Fachliteratur besser zurechtfindet) rundet die verständlich präsentierten Anleitungen ab. [Andrea Grichting]

 

Ulrike Windsperger: Permakultur auf dem Balkon. Reiche Ernte auf kleinen Flächen - Bio-Gärtnern für zuhause

Der Begriff "Permakultur" steht für eine nachhaltige Landnutzung, die weit mehr als nur Landwirtschaft ist. Die Philisophie der Permakultur beinhaltet ganz allgemein das Verständnis von ganzheitlichen Prozessen als Kreislauf, der sich selbst erhalten soll und daher auch Architektur und Wohnen oder Gesundheit und Soziales mit einschliesst. Nicht die Quantität (eine grosse Ernte um jeden Preis) sondern ein Ertrag, der mit der Umwelt in Einklang ist und möglichst ohne Abfall und Gift auskommt, steht im Zentrum. Und obwohl der Grösse eines Areals, das nach den Richtlinien der Permakultur betrieben wird, theoretisch keine Grenzen gesetzt sind, zeigt der Ratgeber von Ulrike Windsperger, dass kein Balkon zu klein, ein Permakultur-Balkon zu sein.

Auf rund 150 Seiten wird in farblich übersichtlich gegliederten Kapiteln aufgezeigt, was alles zur Vorbereitung gehört, welche Pflanzen sich wofür eignen und was es alles beim konkreten Anbau zu bedenken gibt. Auch Nisthilfen, biologischer Pflanzenschutz oder das Wassermanagement werden erläutert. Dabei wird auch nicht verschwiegen, wovon man besser die Finger lassen sollte.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema Permakultur auseinandersetzt, weiss, dass ein Crashkurs als Einstiegshilfe allein nicht ausreichend sein kann, denn es gilt, die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren, Bodenbeschaffenheit und Klima zu verstehen. Wohl deshalb schreckt dieses Thema die grossen Player unserer Gesellschaft ab. Umso mehr kann jede/r einzelne im Kleinen etwas bewirken und den eigenen Balkon als ganzheitliches Ökosystem verstehen und zur eigenen Freude nutzen. [Andrea Grichting]

 

Kerstin Gier: Was man bei Licht nicht sehen kann

Die Bestseller-Autorin Kerstin Gier hat nach der Edelstein- und der Silber-Trilogie (die alle in der Stadtbibliothek Burgdorf ausgeliehen werden können) einen neuen Jugendroman veröffentlicht: „Was man bei Licht nicht sehen kann“. Er stellt den ersten Band der neuen Trilogie «Vergissmeinnicht» dar. Das Buch ist in gewohnt leicht-lustigem Erzählstil abwechselnd aus der Perspektive der beiden Protagonisten Quinn und Matilda geschrieben.

Quinn und Matilda sind Nachbarn, und obwohl Matilda seit Jahren eine heimliche Schwäche für Quinn hat, verstehen sie sich überhaupt nicht. Als Quinn jedoch einen unheimlichen Unfall erleidet, verändert sich auf einmal alles in seinem Leben: er muss jede Woche in Physio- und Psychotherapie gehen, seine Freunde behandeln ihn wie ein rohes Ei und er fragt sich zunehmend, ob er wahnsinnig wird. Die grösste Veränderung jedoch ist, dass Quinn plötzlich Dinge wahrzunehmen beginnt, die niemand sonst zu sehen scheint. Als er seinen Freunden davon zu erzählen beginnt, schenkt ihm niemand Glauben. Einzig in der skurrilen Matilda, die er bis dahin eigentlich nicht besonders leiden konnte, findet er jemanden, der ihm glaubt und der ihn nicht nur mitleidig behandelt. Das ungleiche Duo schliesst sich zusammen, um die magische Welt, die sich Quinn eröffnet, verstehen zu lernen.

Wer Kerstin Gier bereits kennt und fantasievolle und amüsante Geschichten mag, dürfte Gefallen an diesem Buch finden, das es auch als Hörbuch gibt. [Alexandra Widmer]

 

Jonathan Coe: Mr. Wilder & ich

Der neue Roman des preisgekrönten englischen Autors Jonathan Coe liest sich leicht und flüssig und spielt hauptsächlich im Sommer 1976, erst in Kalifornien, dann in Europa. In der Rahmengeschichte trifft die blutjunge Griechin Calista zufällig auf den alternden, weltberühmten Filmemacher Billy Wilder und erhält die einmalige Gelegenheit, ihn bei Dreharbeiten zu begleiten. Während Calista Fiktion ist, wird Wilders wahre Biografie in Rückblenden aufgerollt und mit realen Zitaten versehen. Wilders wegweisende Filme werden dabei ebenso erwähnt wie die Lebensgeschichte des Juden, deren schmerzlicher Tiefpunkt in der Flucht vor dem Nationalsozialismus und der lebenslangen Suche nach der Mutter liegt.

Dass Coe die Begebenheiten aus der weiblichen Perspektive Calistas heraus erzählt, genauer gesagt aus der Retroperspektive der mittlerweile verheirateten Musikproduzentin und Mutter zweier erwachsener Mädchen, ist gelungen und macht das Ganze leichtfüssiger. So beanspruchen Calistas Eindrücke als junge Frau im Jahre 1976 ebenso die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser wie auch ihre Lebensumstände 2013, in denen sie auf das Geschehen jenes Sommers zurückblickt.

Wer Gefallen findet an Filmklassikern wie "Manche mögen's heiss", "Das Mädchen Irma la Douce", "Ariane - Liebe am Nachmittag" oder "Sabrina" und an Hollywoodstars wie Audrey Hepburn, William Holden, Jack Lemmon oder Marylin Monroe, wird das Buch mögen. Wem solche Filme zu kitschig sind und wer den Ernst des Lebens darin vermisst, mag vielleicht Wilders Einstellung dazu kennenlernen. Er sagte über sich selbst, so viel Grauen und Schrecken erlebt zu haben, dass er das nicht auch auf Film bannen wollte - seine Filme sollen unterhalten. Das Buch tut es. [Andrea Grichting]

Kai Pannen: Fehlermeldung Schule

Kai Pannen hat ein lustiges und gelungenes Kinderbuch geschrieben. Die Illustrationen und die Texte passen super gut zusammen. Der Text ist einfach zu verstehen, passend für Kinder.

Andro ist kein gewöhnlicher Junge, er ist ein Roboter. Ein Roboter, welcher eine menschliche Hülle trägt und in einer Schule eingeschleust wir, damit er die Menschen besser kennen lernen, ihre Freundschaft gewinnen und dabei nicht auffallen soll.

Andro kämpft sich durch unseren menschlichen Alltag in einer Schule mit vielen Kindern, Lehrern und einem Kantinomaten, der Essen herstellen und Frau Becker ablösen soll, damit diese in den Ruhestand gehen kann.

Aber da wären auch noch die Freundschaftspunkte von den Menschen, die er verdienen sollte. Andro erhält zwar immer wieder Pluspunkte, verliert sie jedoch auch haufenweise wieder. Dass es aber dann auch noch eine Gruppe Kinder gibt, die gegen den Kantinomaten demonstrieren, hilft Andro nicht gerade. Auch Lilly gehört in diese Gruppe. Am Anfang erhält er von ihr noch Freundschaftspunkte. Doch kommt Lilly noch auf die Spur seines Geheimnisses? Und wie viele Freundschaftspunkte hat er am Schluss gesammelt? [Tabea Elber]

Ina Westman: Heute beissen die Fische nicht

Die finnischen Schäreninseln, wo Ina Westman ihren zweiten Roman ansiedelt, kennt die in Helsinki lebende Autorin bestens, verbringt sie dort doch wie ihre Protagonistin Emma Zeit in ihrem Sommerhäuschen.

"Heute beissen die Fische nicht" ist ein handlungsarmer Roman, dessen Stille sehr gut zur Abgeschiedenheit der Inseln passt. Emma verbringt mit ihrem Mann Joel und ihrer Tochter Fanni die Sommermonate dort. Als LeserIn erfährt man eingangs, wie sich das Paar kennen und lieben gelernt hat und wie es mit dem gemeinsamen Kind die Tage auf der Insel verbringt. Doch mit der Zeit werden Schicht um Schicht dieser Oberfläche abgetragen, so dass alles luzid wirkt, bis nichts mehr ist, wie es anfangs schien. Innere Konflikte, elementare zwischenmenschliche und gesellschaftliche Fragen, Zweifel und Ängste treten zu Tage. Dabei wechselt die Erzählperspektive jeweils zwischen den drei Familienmitgliedern. Trotz der reduzierten Handlung und der offensichtlichen Ruhe der Schäreninsel gelingt es Westman, eine vibrierende Spannung aufkommen zu lassen, so dass man das Buch nicht so einfach weglegen kann. (Andrea Grichting)

Elisabeth Taylor: Mrs Palfrey im Claremont

Wer Gefallen findet an feinfühligen Romanen, die leise anklingen, aber doch tiefgründig sind, die im London der 1960er Jahre angesiedelt sind, aber in denen aber doch eher die Werte einer früheren Generation dominieren, der wird «Mrs Palfrey im Claremont» mit Genuss lesen. Die Autorin, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Hollywood-Schauspielerin, wurde 1912 geboren und mit dem vorliegenden Roman für den Purlitzerpreis nominiert. Die mangelnde «Weltläufigkeit» wurde ihm bei der Preisverleihung zum Verhängnis.

Im Mittelpunkt steht die verwitwete Laura Palfrey, die das Claremont-Hotel im Londoner Stadtteil South Kensington, das schon bessere Tage erlebt hat, wie andere Gäste auch zu ihrem Alterssitz macht. Und so wird das Hotel zum Schauplatz der Bewohnerinnen und Bewohner, deren Leben an Dynamik eingebüsst hat und vor allem aus Warten auf das Essen, einer Fernsehserie oder eines Besuchs, der sich nicht einstellt, besteht. Und mit dem Einbüssen ihrer körperlichen Möglichkeiten warten sie alle auch auf den nahenden Tod.

Die einzelnen Charaktere werden behutsam herausgearbeitet, scheinbar lächerliche Eigenschaften respekt-, gar liebevoll beschrieben, ihr Verlust in körperlicher aber auch gesellschaftlicher Hinsicht offenbart. Die Autorin lässt viel Raum für Atmosphärisches und Zwischenmenschliches und ist mit einem Roman über (nicht Älterwerden sondern) Altsein ihrer Generation im Jahre 1971 voraus. Die 2021 erschienene Ausgabe mit einer Neuübersetzung lohnt die Lektüre allemal. [Andrea Grichting]

Naomi Novik: Scholomance - Tödliche Lektion

Die Autorin Naomi Novik lässt sich bei ihren Geschichten gerne von osteuropäischen Märchen und Legenden inspirieren. Der Sage nach sei die Scholomance eine Schule der Magie in Rumänien gewesen - und vom Teufel selbst geleitet worden. Novik greift diese Idee auf und setzt sie fantasievoll um: Die Art und Weise, wie sie die Scholomance beschreibt, ist eines der Highlights dieser Geschichte.

Die Scholomance ist ein Internat ohne Lehrer, ohne Ferien, voll mit verwunschenen Artefakten  und bevölkert von tödlichen Monstern. Es gibt nur zwei Wege, um aus der Schule herauszukommen: die Abschlussprüfung oder den Tod. Die Hauptfigur Galadriel, El genannt, besitzt eine mächtige Gabe, auf die sie vertraut, um es bis zur Abschlussprüfung zu schaffen.

Was die Leser*innen im ersten Band dieser Fantasy-Trilogie erwartet: neue Freundschaften, spannende Wendungen und gefährliche Kämpfe mit Monstern. Die Hauptfigur El ist eine starke Heldin, die ihren Prinzipen immer treu bleibt und sich dabei auch nicht scheut, sich Konventionen zu widersetzen. Wer weiteren Heldinnen dieser Art begegnen möchte, sei an Noviks andere Werke Das dunkle Herz des Waldes und Das kalte Reich des Silbers verwiesen. [Alexandra Widmer]

Maria Isabel Sánchez Vegara: Frida Kahlo

Die Reihe «Little People, BIG DREMAS» hat es sich zur Aufgabe gemacht, berühmte Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft kindergerecht zu porträtieren. Stellvertretend für alle Werke sei hier das Buch zu der mexikanischen Malerin Frida Kahlo vorgestellt.

Auf knapp 30 Seiten werden die wichtigsten Stationen in Kahlos Leben in starken Bildern jeweils doppelseitig festgehalten. Der dazugehörige Text ist höchstens dreizeilig und in grosser Schrift, so dass bereits erste Lesekompetenzen auseichend sind, um dieses Sachbuch eigenständig erfassen zu können. Einzig die letzte Doppelseite mit Lebensdaten in Form eines etwas längeren Texts und einer Handvoll Fotos sind eher Erwachsenen zum Vorlesen oder Erzählen vorbehalten.

Die ganze Reihe, die nun auch auf Deutsch erscheint, erfreut sich auf Grund der einfachen, aber ausdrucksstarken Bildersprache und der interessanten porträtierten Menschen grosser Beliebtheit. [Andrea Grichting]

Lupita Nyong'o: Sulwe

Die Autorin Lupita nyong'o ist vieles: eine in New York lebende Kenianerin, eine Produzentin und oscarprämierte Schauspielerin und schwarz. Daher weiss sie aus eigener Erfahrung um die Selbstzweifel dunkelhäutiger Mädchen, deren Weg zu Selbstliebe oftmals noch holpriger verläuft als andere.

Die Hauptfigur "Sulwe" - ein kleines schwarzes Mädchen - hadert damit, dunkler auszusehen als ihre Eltern und als ihre Schwester.  Sie unternimmt alles Mögliche, um eine hellere Hautfarbe zu bekommen. Erst ein Traum gibt ihr das dringend benötigte Selbstvertrauen, sich so zu nehmen und wertzuschätzen, wie sie ist.

Im Nachwort der Autorin wird nicht nur deutlich, dass die Geschichte autobiografisch ist, sondern dass es vielen dunkelhäutigen Mädchen und Frauen weltweit noch immer ähnlich geht. Dieses Bilderbuch will seinen Teil dazu beitragen, dass sich dies einst ändert. Der Einsatz des Gendersternchens im Text versinnbildlicht die Bedeutung weiblicher Präsenz zusätzlich. Die traumhaft illustrierte Botschaft des Buches ist klar: Wir alle sind schön, wenn wir es nur zulassen. [Andrea Grichting]

Siri Pettersen: Eisenwolf

„Eisenwolf“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe der nordischen Fantasy-Autorin Siri Pettersen, die mit der „Rabenringe“-Trilogie international erfolgreich wurde. Der Weltenaufbau von „Eisenwolf“ ist lose verknüpft mit der „Rabenringe“-Trilogie und kann daher unabhängig davon gelesen werden.

Juva ist die älteste Tochter einer der mächtigsten Blutleserinnen der Stadt, hat aber mit dem Geschäft der Familie nichts am Hut und arbeitet stattdessen lieber als Wolfsjägerin. Äussere Umstände zwingen sie, wieder in ihr Elternhaus zurückzukehren. Dort, im Haus ihrer Kindheit, hat sie als Siebenjährige den Teufel, den Eisenwolf, gesehen und dort stösst sie jetzt als junge Erwachsene auch auf ein Geheimnis, dem nicht nur die anderen Blutleserinnen, sondern auch die Vardari, die Ewigwährenden, auf der Spur sind.

Der erste Band der „Vardari“-Reihe folgt einer starken Protagonistin, die sich im Laufe der Geschichte selbst findet. Die Erzählung nimmt dabei zunehmend an Fahrt auf und wirft kontinuierlich neue Fragen auf wie: Existiert der Teufel wirklich oder steht er als Metapher für Juvas Trauma?

Besonders Jugendliche, die es düster und leicht gruselig mögen und ausserdem gerne Mittelalter-Fantasy lesen, werden Gefallen an dem Buch finden und mit Spannung den zweiten Band erwarten. Wem die über 500 Seiten allenfalls zu lang sind, der sei an das entsprechende Hörbuch verwiesen. [Alexandra Widmer]

Luca Ventura: Bittersüsse Zitronen. Der Capri-Krimi

Nach «Mitten im August» ist dies der zweite Fall für den jungen Inselpolizisten Enrico Rizzi, den er mit seiner norditalienischen Kollegin Antonia Cirillo auf Capri und in Sorrent zu lösen hat. Diesmal ermittelt er auf der Zitronenplantage der Familie Constantini, deren Früchte rentabel von den Bellinis zu Limoncello verarbeitet werden. Der Unfalltod von Elisa Constantini in einer regnerischen Nacht wirft allerhand Fragen auf. Rizzi, der auf «seiner» Insel alle Beteiligten persönlich kennt und damit nicht ganz unparteiisch ist, versucht Licht in die Beziehungen der verschiedenen Familienmitglieder zu bringen.

Der Krimi mit viel Lokalkolorit ist die richtige Ferienlektüre für diesen Sommer. «Italianità» vermitteln Beschreibungen der Gegend sowie der sozialen und kulinarischen Gepflogenheiten. Dass Rizzi mit seiner Sonnenbrille, seinen Locken und seiner leicht selbstgefälligen Art auf Cirillo mitunter unerträglich machohaft wirkt, passt dabei ebenso ins Bild wie die dauernde Sorge insbesondere des Inspektors, dass Gerüchte im Allgemeinen und ein Mordfall im Besonderen schlecht für das Image der Touristeninsel sind.

Dass einige Figuren manchmal etwas klicheehaft reagieren – Rizzis Vorgesetzten würde man sich etwas glaubhafter wünschen – tut dem Roman keinen Abbruch. Umso erfrischender wirken dafür Bilder, die nicht der Postkartenidylle entsprechen: Beschreibungen Capris bei schlechtem Wetter am Ende der Touristensaison oder die miserable Situation der saisonalen Zitronenpflücker. Ventura (übrigens ein Pseudonym) bringt damit auch eine politische Komponente ins Spiel, wie er es in seinem Vorgängerroman «Mitten im August» mit dem desolaten Zustand der Weltmeere auch schon getan hat. [Andrea Grichting]

Cordula Thörner; Horst Hellmeier: Von Mozart bis Malala. Faszinierende Persönlichkeiten, die jeder kennen sollte

Mit diesem Sachbuch für Jugendliche ist Cordula Thörner und Horst Hellmeier ein ganz besonderer Wurf gelungen. Auf drei bis sechs Seiten Text wird jeweils eine Persönlichkeit vorgestellt, die «Spuren hinterlassen» und «etwas für andere bewirkt haben» (Vorwort, S. 3). Dabei wird der Text jeweils nicht nur von Bildern begleitet, die an einen Comic erinnern und damit besonders ansprechend wirken. Schwierige Wörter werden zusätzlich kurz erklärt, zum Beispiel «Anatomie», die «UNO», «Pädagogik» oder die «Nationalsozialisten». Spannend macht es auch der Aufbau: die einzelnen Personen werden in der Beschreibung nicht aufgelöst, sondern erhalten im letzten Teil des Buches noch einmal ein, zwei Seiten, in denen sie mit weiteren wenigen Infos und ihren Lebensdaten beschrieben werden. Insofern ist es stimmig, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt, das die jeweilige «Lösung» zu früh verraten würde.

Dem Sachbuch ist es gelungen, nicht belehrend zu wirken, sondern mit altersgemässen Formulierungen und einer ebensolchen Bildsprache zu arbeiten. Auch die Auswahl der Figuren verhilft dem Buch, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen: Persönlichkeiten aus Politik oder Kunst sind ebenso vertreten wie Comicfiguren oder Jugendliche, die bereits heute unvorstellbar Grosses geleistet haben.

Wer alles in diesem Buch vorgestellt wird? Unmöglich, etwas davon an dieser Stelle zu verraten. Das müssen junge wissbegierige Leserinnen und Leser schon selbst herausfinden, denn das würde den ganzen Rate- und Lesespass verderben. [Andrea Grichting]

Mélanie Dupuis: Das kleine Handbuch der Tartes & Torten

Es gibt Kochbücher, die erinnern mit ihrer Aufmachung und Bildauswahl fast wehmütig an Grossmutters unübertroffene Backrezepte. Andere wiederum überzeugen mit einem modernen, frischen Layout. "Das kleine Handbuch der Tartes und Torten" vereint von beidem das Beste. Auf 140 Seiten verteilen sich klar strukturiert drei Kapitel, wobei dem zweiten unter dem Titel "Tartes und Torten" zu Recht der grösste Platz gewidmet wird. Davor werden in den Grundlagen die Zubereitung der Teige, Cremes, Ganaches und Karamell, Baisermassen, Sahne und Mousses und Glasuren beschrieben. Den Abschluss bildet das illustrierte Glossar.

Allen drei Kapiteln ist aber etwas gemeinsam, das das vorliegende Kochbuch zu etwas Besonderem macht: die puristischen Fotos und die ästhetischen Illustrationen. Die Bilder liefern eine gute Vorlage, aus welchen Schichten das süsse Bachwerk im Querschnitt besteht. Die Fotografien halten dafür die einzelnen Arbeitsschritte, Zutaten sowie das Endergebnis fest, so dass auch herausfordernde kulinarische Backwerke leichter nachgebacken werden können.

Aber auch wenn die Darstellung noch so ansprechend gestaltet wurde, geht es doch am Ende vor allem um die Rezepte. Und diese hinken keinesfalls dem schönen Layout hinterher: die Pistazientarte mit Shortbreadboden und Mandelcrème lässt einem ebenso das Wasser im Mund zusammenlaufen wie der Himbeer-Savarin mit Mascarponesahne auf Zuckerteig und 500g frischen Himbeeren oder die bretonische Feigentarte auf ebensolchem Mürbeteig und Konditorcrème. Nachbacken dringend empfohlen! [Andrea Grichting]