Unsere Medientipps: Für Sie gelesen, gehört, geschaut...

Luca Ventura: Bittersüsse Zitronen. Der Capri-Krimi

Nach «Mitten im August» ist dies der zweite Fall für den jungen Inselpolizisten Enrico Rizzi, den er mit seiner norditalienischen Kollegin Antonia Cirillo auf Capri und in Sorrent zu lösen hat. Diesmal ermittelt er auf der Zitronenplantage der Familie Constantini, deren Früchte rentabel von den Bellinis zu Limoncello verarbeitet werden. Der Unfalltod von Elisa Constantini in einer regnerischen Nacht wirft allerhand Fragen auf. Rizzi, der auf «seiner» Insel alle Beteiligten persönlich kennt und damit nicht ganz unparteiisch ist, versucht Licht in die Beziehungen der verschiedenen Familienmitglieder zu bringen.

Der Krimi mit viel Lokalkolorit ist die richtige Ferienlektüre für diesen Sommer. «Italianità» vermitteln Beschreibungen der Gegend sowie der sozialen und kulinarischen Gepflogenheiten. Dass Rizzi mit seiner Sonnenbrille, seinen Locken und seiner leicht selbstgefälligen Art auf Cirillo mitunter unerträglich machohaft wirkt, passt dabei ebenso ins Bild wie die dauernde Sorge insbesondere des Inspektors, dass Gerüchte im Allgemeinen und ein Mordfall im Besonderen schlecht für das Image der Touristeninsel sind.

Dass einige Figuren manchmal etwas klicheehaft reagieren – Rizzis Vorgesetzten würde man sich etwas glaubhafter wünschen – tut dem Roman keinen Abbruch. Umso erfrischender wirken dafür Bilder, die nicht der Postkartenidylle entsprechen: Beschreibungen Capris bei schlechtem Wetter am Ende der Touristensaison oder die miserable Situation der saisonalen Zitronenpflücker. Ventura (übrigens ein Pseudonym) bringt damit auch eine politische Komponente ins Spiel, wie er es in seinem Vorgängerroman «Mitten im August» mit dem desolaten Zustand der Weltmeere auch schon getan hat. [Andrea Grichting]

Cordula Thörner; Horst Hellmeier: Von Mozart bis Malala. Faszinierende Persönlichkeiten, die jeder kennen sollte

Mit diesem Sachbuch für Jugendliche ist Cordula Thörner und Horst Hellmeier ein ganz besonderer Wurf gelungen. Auf drei bis sechs Seiten Text wird jeweils eine Persönlichkeit vorgestellt, die «Spuren hinterlassen» und «etwas für andere bewirkt haben» (Vorwort, S. 3). Dabei wird der Text jeweils nicht nur von Bildern begleitet, die an einen Comic erinnern und damit besonders ansprechend wirken. Schwierige Wörter werden zusätzlich kurz erklärt, zum Beispiel «Anatomie», die «UNO», «Pädagogik» oder die «Nationalsozialisten». Spannend macht es auch der Aufbau: die einzelnen Personen werden in der Beschreibung nicht aufgelöst, sondern erhalten im letzten Teil des Buches noch einmal ein, zwei Seiten, in denen sie mit weiteren wenigen Infos und ihren Lebensdaten beschrieben werden. Insofern ist es stimmig, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt, das die jeweilige «Lösung» zu früh verraten würde.

Dem Sachbuch ist es gelungen, nicht belehrend zu wirken, sondern mit altersgemässen Formulierungen und einer ebensolchen Bildsprache zu arbeiten. Auch die Auswahl der Figuren verhilft dem Buch, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen: Persönlichkeiten aus Politik oder Kunst sind ebenso vertreten wie Comicfiguren oder Jugendliche, die bereits heute unvorstellbar Grosses geleistet haben.

Wer alles in diesem Buch vorgestellt wird? Unmöglich, etwas davon an dieser Stelle zu verraten. Das müssen junge wissbegierige Leserinnen und Leser schon selbst herausfinden, denn das würde den ganzen Rate- und Lesespass verderben. [Andrea Grichting]

Mélanie Dupuis: Das kleine Handbuch der Tartes & Torten

Es gibt Kochbücher, die erinnern mit ihrer Aufmachung und Bildauswahl fast wehmütig an Grossmutters unübertroffene Backrezepte. Andere wiederum überzeugen mit einem modernen, frischen Layout. "Das kleine Handbuch der Tartes und Torten" vereint von beidem das Beste. Auf 140 Seiten verteilen sich klar strukturiert drei Kapitel, wobei dem zweiten unter dem Titel "Tartes und Torten" zu Recht der grösste Platz gewidmet wird. Davor werden in den Grundlagen die Zubereitung der Teige, Cremes, Ganaches und Karamell, Baisermassen, Sahne und Mousses und Glasuren beschrieben. Den Abschluss bildet das illustrierte Glossar.

Allen drei Kapiteln ist aber etwas gemeinsam, das das vorliegende Kochbuch zu etwas Besonderem macht: die puristischen Fotos und die ästhetischen Illustrationen. Die Bilder liefern eine gute Vorlage, aus welchen Schichten das süsse Bachwerk im Querschnitt besteht. Die Fotografien halten dafür die einzelnen Arbeitsschritte, Zutaten sowie das Endergebnis fest, so dass auch herausfordernde kulinarische Backwerke leichter nachgebacken werden können.

Aber auch wenn die Darstellung noch so ansprechend gestaltet wurde, geht es doch am Ende vor allem um die Rezepte. Und diese hinken keinesfalls dem schönen Layout hinterher: die Pistazientarte mit Shortbreadboden und Mandelcrème lässt einem ebenso das Wasser im Mund zusammenlaufen wie der Himbeer-Savarin mit Mascarponesahne auf Zuckerteig und 500g frischen Himbeeren oder die bretonische Feigentarte auf ebensolchem Mürbeteig und Konditorcrème. Nachbacken dringend empfohlen! [Andrea Grichting]